Vortrag über "Die drei Linden" im Tschaikowskymuseum in Klin von Tatjana Pawlowa, Klin, 07.05.2005
Die Feier am 7. Mai in Tschaikowskys letztem zu Hause in Klin bei Moskau, die jährlich zur Erinnerung an seinen Geburtstag am 7.5.1840 in kleinem Kreis mit geladenen Gästen stattfindet, war ein besonderes Freudenfest. Anlässe waren die Wiedereröffnung des im April vergangenen Jahres durch einen Brand beschädigte Anwesen -Präsident Putin hatte sich persönlich für das frühere und original erhaltene Wohnhaus Tschaikowskys eingesetzt- und eine Konferenz von Museumsfachleutcn aus Klin und anderen Städten. Die Konferenz wurde von Frau Galina Belonovich, der Leiterin des Museums geleitet.
Besonderes Interesse fand der Vortrag der Leiterin der Abteilung für Museumsführungen im Tschaikowskymuseurn, Frau Tatjana Pawlowa. Ihr Thema: Die Drei Linden in Bad Soden. Grundlage ihres Vortrages waren Briefe, die Tschaikowsky im Juni / Juli 1870 aus "Soden" an seine Verwandten schrieb. Während dieser Zeit betreute er seinen kranken Freund Wladimir Schilowski, der sich durch einen Kuraufenthalt eine Linderung seiner Krankheit erhoffte.
Tschaikowsky bewunderte den Taunus und seine Burgen. "... Soden liegt in einem Tal des Taunus, und dieser Taunus ist der Gegenstand meiner Begeisterung..." und " ... dazwischen liegen herrliche Burgen ...". Ganzbesonders entzückt war er von den "Drei Linden" in Bad Soden-Neuenhain. "... Jeden Morgen gehe ich zu Fuß an einen Ort, der 'Drei Linden' heißt, und dort lese ich oder komponiere ich, allein, inmitten der rauhen Bergnatur, vor meinen Augen das herrliche Panorama ...".
Pawlowa illustrierte ihren Vortrag mit historischen Abbildungen von Soden, Königstein, 'Den drei Linden' und Wiesbaden, denen sie eigene aktuelle Fotografien zum Vergleich gegenüberstellte. In Wiesbaden traf Tschaikowsky den Leiter des Moskauer Musikkonservatoriunis Nikolai Rubinstein. "... Ich bin einmal nach Wiesbaden gefahren um Nikolai Rubinstein zu sehen. Ich traf ihn beim Roulettspielen an, als er sein letzte Geld verspielt...".
In der Woche vor Ostern besuchte Pawlowa auf Einladung des Frankfurter Wolfgang Glaab, der mit dem Tschaikowskymuseurn seit mehreren Jahren in freundschaftlicher Verbindung steht, die Orte von denen Tschaikowsky während seines Aufenthaltes in Soden in Briefen berichtete. Die dabei von Pawlowa angefertigten Fotos wurden den Konferenzteilnehmern in einer gesonderten Zusammenstellung zusätzlich zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt. Die Kommentare der Konferenzteilnehmer ließen darauf schließen, daß sie die Begeisterung Tschaikowskys in seinen Schilderungen in den Briefen leicht nachvollziehen konnten.
Die gleichzeitig in den Räumen des Museums zur Erinnerung an den 9.5.1945 zu besichtigende Ausstellung, zeigte Fotos der Wehrmacht in Klin und Spuren der Verwüstung, die der Krieg auch im ehemaligen Wohnhaus von Tschaikowsky hinterlassen hat. Die Ausstellung wurde ebenfalls unter der Regie von Tatjana Pawlowa zusammengestellt.
Tatjana Pawlowa freut sich schon auf ihren nächsten Besuch im Taunus.
Wolfgang Glaab